depression

Geduld mit mir selbst – (m)ein Ding der schieren Unmöglichkeit

Seit rund sechs Jahren gehört die Depression zu meinem Leben. Lange ging es auf relativ gutem Niveau auf und ab, doch Ende letzten Jahres stürzte die Wand sprichwörtlich ein. Corona, Home Office und all die Dinge, die uns die letzten Jahre heimsuchten, führten schlussendlich zu einer merklichen Verschlimmerung.

Seit meinem Klinikaufenthalt im Januar und Februar dieses Jahres ist viel passiert und es geht tendenziell langsam aufwärts. Aber eben – es geht vor allem eines: langsam. Und das verlangt viel Geduld von mir selbst. Mehr, als ich oftmals im Stande bin, zu geben.

Vom Zeit haben und sich Zeit nehmen

Wir alle sehnen uns danach, mehr Zeit zu haben. Für uns selbst, mal einfach zu tun, wonach wir Lust haben. Oder auch mal nichts zu machen. Den Moment geniessen. Achtsam sein. Aber was ist, wenn wir diese Zeit plötzlich haben? Wenn wir von dieser Zeit gar ziemlich viel haben?

Ich selbst tue mich im Moment sehr schwer damit, die vorhandene Zeit bewusst für mich nutzen zu können – und dies noch dazu mit einem guten Gewissen.

Mit dem Monster spazieren gehen

Alle tragen wir tagein tagaus unser ganz persönliches Monster spazieren. Im Alltag mit der Familie, mit Freunden, in der Arbeit und auch alleine. Doch wie wir mit unserem Monster umgehen, entscheidet darüber, wie es uns geht. Unser Monster, die bildliche Vorstellung unserer schlechten Gefühle, die in den schlimmsten Phasen dermassen Überhand nehmen, dass wir nichts anderes mehr sehen können. Und uns eben dieses Monster im Weg steht. Deshalb sollten wir lernen, es zu akzeptieren und mit ihm umzugehen. Denn einfach weg wird es nie sein.

Tagebuch – den positiven Momenten bewusst sein

Tagebuch zu schreiben braucht Zeit und nicht selten weiss man gar nicht mehr so recht, was man jetzt reinschreiben soll – aber genau deshalb ist ein Tagebuch so wertvoll. Dass man sich am Ende des Tages an die wichtigsten Momente erinnern kann und nicht die stressigen fünf Minuten vor dem zu Bett gehen den bis hierhin wunderschönen Tag zur Sau machen.

Tagebuch kann man ausführlich schreiben oder ganz kurz und ganz sicher soll man es für sich selbst tun. Es soll nicht zu einem Müssen werden und schon gar nicht soll man etwas für andere schreiben, nur weil man denkt, es tun zu müssen.

Ich persönlich hab verschiedene Arten ausprobiert und nutze nun schon einige Monate eine App, um einzelne Momente ganz schnell in Form meiner Stimmung und eventuell einigen Stichworten festzuhalten. Jederzeit, kurz und schmerzlos.

Wenn das Kartenhaus zusammenbricht

Es gibt diese Tage, an denen stimmt einfach nichts mehr. Das Kartenhaus mit allen Stützen bricht in sich zusammen und die Welt scheint unterzugehen. An diesen Tagen ist es umso wichtiger, vertraute und liebe Menschen um sich zu haben, die das Innere von einem kennen. Auch wenn es erst kracht, kann man sich so gegenseitig wieder aufbauen.

Wenn wegfällt was einem gut tut

Jeder Mensch hat etwas, das ihm speziell gut tut. Hat man zusätzlich immer wieder mit der Psyche zu kämpfen, so nehmen solche Dinge einen besonderen Stellenwert ein. Selbst wenn es einem gut geht und die Krankheit beinahe vergessen ist, sind das wichtige Stützen im Leben von Depressionsgeplagten Menschen.

Doch was passiert, wenn nun ein solcher Pfeiler wegfällt? Mir ist das schon mehrmals passiert – mit ganz unterschiedlichen Reaktionen von mir und meiner Psyche.

Müde und Erschöpft

Müde und Erschöpft sind wir alle immer mal wieder. Mal mehr, mal weniger. Am Ende unserer Kräfte. Antriebslos. Ohne jegliche Motivation, etwas zu tun. Die Batterien sind schlicht und einfach leer.